Inhaltsverzeichnis
- Finanzberater werden: Die Kurzantwort
- Was ein Finanzberater tatsächlich macht
- 7 Voraussetzungen, bevor Sie Finanzberater werden
- Finanzberater Ausbildung, Studium oder Quereinstieg: Welcher Weg passt?
- Welche Erlaubnis braucht ein selbstständiger Finanzberater in Deutschland?
- Deutschland, Österreich und Schweiz: Warum der Standort den Berufsweg verändert
- Wann ein Praxisbuch für Finanzdienstleister sinnvoll sein kann
- Angestellt oder selbstständig als Finanzberater arbeiten?
- Ein Beratungstest vor dem ersten eigenen Kunden
- 4-Wochen-Plan für angehende Finanzberater
- Fazit: Erst die Tätigkeit definieren, dann Finanzberater werden
-
Haeufige Fragen
- Welche Ausbildung braucht man, um Finanzberater zu werden?
- Kann man als Quereinsteiger Finanzberater werden?
- Ist die Berufsbezeichnung Finanzberater geschützt?
- Welche IHK-Erlaubnis braucht ein Finanzberater?
- Kann man ohne Studium selbstständiger Finanzberater werden?
- Was kostet der Start als selbstständiger Finanzberater?
- Was ist für Finanzberater in Österreich und der Schweiz anders?
Finanzberater werden: Die Kurzantwort
Wer Finanzberater werden möchte, braucht nicht automatisch einen bestimmten Studienabschluss. Entscheidend ist, welche Leistungen Sie später tatsächlich anbieten: angestellte Kundenbetreuung, Versicherungsvermittlung, Finanzanlagenvermittlung, Honorarberatung oder Immobiliardarlehensvermittlung. Aus dem Tätigkeitsfeld ergeben sich Qualifikation, mögliche Erlaubnis, Registrierung, Berufshaftpflicht und Dokumentationspflichten.
Beginnen Sie deshalb nicht mit Visitenkarte, Website oder Produktpartnern. Schreiben Sie zuerst in einem Satz auf, wen Sie wobei beraten und wie Sie vergütet werden. Prüfen Sie diese Beschreibung mit Arbeitgeber, IHK beziehungsweise zuständiger Behörde und einer qualifizierten Rechts- oder Steuerberatung. Erst wenn die Rolle belastbar eingeordnet ist, lohnt sich der nächste Schritt in Ausbildung, Sachkunde oder Selbstständigkeit.
Die drei Fragen vor jeder weiteren Investition
- Welche konkrete Beratung oder Vermittlung soll der Kunde erhalten?
- Arbeiten Sie angestellt unter der Organisation eines Unternehmens oder auf eigene Rechnung?
- Wer bezahlt die Leistung: Arbeitgeber, Kunde, Produktgeber oder eine Kombination mit offengelegten Interessenkonflikten?
Was ein Finanzberater tatsächlich macht
Der Alltag besteht nicht nur aus Gesprächen über Geldanlagen. Gute Beratung beginnt mit Zielen, finanzieller Ausgangslage, Risikotragfähigkeit und verständlicher Aufklärung. Danach folgen Recherche, Vergleich, Kosten- und Risikoerklärung, Dokumentation, Umsetzung und regelmäßige Überprüfung. Je nach Rolle kommen Akquise, Vertragsverwaltung, Weiterbildung, Datenschutz und Beschwerdebearbeitung hinzu.
Fünf Rollen, die nicht verwechselt werden sollten
| Rolle | Typische Aufgabe | Erster Prüfpunkt |
|---|---|---|
| Angestellte Kundenberatung | Kunden innerhalb der Prozesse und Produktwelt eines Instituts oder Vermittlungsunternehmens betreuen. | Stellenprofil, interne Qualifikation, Verantwortungsbereich und Vergütungsziele des Arbeitgebers. |
| Versicherungsvermittlung oder -beratung | Versicherungsverträge vermitteln oder unabhängig gegen Kundenhonorar beraten. | In Deutschland genaue Abgrenzung nach Paragraf 34d GewO und Status als Vertreter, Makler oder Versicherungsberater. |
| Finanzanlagenvermittlung | Bestimmte Finanzanlagen vermitteln und dazu beraten. | In Deutschland Produktumfang und Erlaubnis nach Paragraf 34f GewO prüfen. |
| Honorar-Finanzanlagenberatung | Zu Finanzanlagen beraten und ausschließlich vom Kunden vergütet werden. | In Deutschland Voraussetzungen und Trennung zur provisionsbasierten Vermittlung nach Paragraf 34h GewO klären. |
| Immobiliardarlehensvermittlung | Verbraucher zu Immobiliardarlehen beraten oder solche Verträge vermitteln. | In Deutschland Erlaubnis und Sachkunde nach Paragraf 34i GewO prüfen. |
Die Bezeichnung auf einer Website entscheidet nicht über die rechtliche Einordnung. Maßgeblich ist die konkrete Tätigkeit. Wer nur allgemeine Finanzbildung anbietet, bewegt sich anders als jemand, der ein bestimmtes Produkt empfiehlt, einen Abschluss vermittelt oder Kundengelder berührt. Lassen Sie Grenzfälle vor dem Start schriftlich einordnen.
7 Voraussetzungen, bevor Sie Finanzberater werden
Der Freigabe-Check für den Berufsstart
| Prüfung | Was Sie klären | Freigabesignal |
|---|---|---|
| 1. Tätigkeitsfeld | Kundengruppe, Thema, Produktbezug, Beratungstiefe und Abschlussrolle in einem Satz beschreiben. | Ein fachkundiger Dritter kann erkennen, was Sie tun und was ausdrücklich nicht. |
| 2. Beschäftigungsmodell | Angestellt, gebundener Vermittler, Makler, selbstständiger Vermittler oder Honorarberater unterscheiden. | Verantwortung, Weisungsbindung und wirtschaftliche Abhängigkeit sind dokumentiert. |
| 3. Qualifikation | Ausbildung, Studium, Sachkundeprüfung und anerkannte gleichgestellte Abschlüsse gegen die konkrete Rolle prüfen. | Der erforderliche Nachweis ist von der zuständigen Stelle bestätigt. |
| 4. Erlaubnis und Register | Erlaubnistatbestand, zuständige Behörde, Registereintrag und mögliche Ausnahmen schriftlich klären. | Erlaubnis oder bestätigte erlaubnisfreie Konstellation liegt vor, bevor Sie tätig werden. |
| 5. Haftung und Organisation | Berufshaftpflicht, Datenschutz, Dokumentation, Beschwerdeweg, Aufbewahrung und Vertretung planen. | Ein Testfall lässt sich vom Erstkontakt bis zur Nachbetreuung nachvollziehen. |
| 6. Vergütung und Interessenkonflikte | Provision, Honorar, Zielvorgaben, Stornohaftung und laufende Kosten offenlegen und wirtschaftlich rechnen. | Der Kunde versteht, wer Sie bezahlt und welche Konflikte entstehen können. |
| 7. Praxistest | Gespräche beobachten, Fälle unter Aufsicht bearbeiten und den eigenen Prozess mit realistischen Kosten testen. | Sie können Bedarf, Risiko, Kosten und Grenzen verständlich erklären, ohne Abschlussdruck aufzubauen. |
Diese Reihenfolge verhindert einen häufigen Fehler: Eine allgemeine Weiterbildung wird gekauft und erst danach geprüft, ob sie für die geplante Tätigkeit als Sachkundenachweis genügt. Weiterbildung kann fachlich wertvoll sein, ersetzt aber nicht automatisch einen gesetzlich geforderten Abschluss, eine Prüfung oder eine Erlaubnis.
Finanzberater Ausbildung, Studium oder Quereinstieg: Welcher Weg passt?
Für den Berufseinstieg gibt es keinen einzigen Standardweg. Eine kaufmännische Ausbildung im Bank- oder Versicherungsumfeld vermittelt Kundenpraxis und Produktgrundlagen. Ein Studium kann Analyse, Recht oder Betriebswirtschaft vertiefen. Beim Quereinstieg entscheidet vor allem, ob Arbeitgeber und Regulatorik die vorhandene Qualifikation anerkennen und welche Lücken vor dem Kundenkontakt geschlossen werden müssen.
Drei Einstiegswege im Vergleich
| Weg | Stärke | Grenze | Sinnvoller nächster Schritt |
|---|---|---|---|
| Ausbildung | Strukturierter Praxisbezug, Kundenkontakt und betriebliche Abläufe. | Die konkrete Produkt- oder Erlaubnisbreite hängt von Tätigkeit und Arbeitgeber ab. | Ausbildungsordnung, Einsatzbereiche und spätere Zusatzqualifikationen vergleichen. |
| Studium | Breite Analyse-, Rechts- oder Wirtschaftsgrundlage und Zugang zu spezialisierten Rollen. | Ein Abschluss allein ersetzt nicht jede Sachkunde, Erlaubnis oder Beratungspraxis. | Stellenprofile prüfen und praktische Beratungserfahrung gezielt ergänzen. |
| Quereinstieg | Vorhandene Branchen-, Vertriebs- oder Lebenserfahrung kann Kundensituationen verständlicher machen. | Produktwissen, Regulierung und Gesprächsdokumentation müssen systematisch nachgeholt werden. | Mit engem Tätigkeitsprofil, beaufsichtigter Praxis und bestätigtem Qualifikationsplan starten. |
Woran Sie eine hilfreiche Weiterbildung erkennen
- Sie nennt Zielgruppe, Lernziele, Umfang, Prüfungsform und Betreuung konkret.
- Sie trennt Fachwissen, Verkaufstraining und gesetzlich anerkannten Sachkundenachweis.
- Sie behandelt Kosten, Risiken, Interessenkonflikte, Dokumentation und Beschwerden ebenso wie Produkte.
- Sie ermöglicht Fallarbeit mit Feedback statt nur Videos und Teilnahmebestätigung.
- Sie verspricht weder eine Erlaubnis noch Kunden, Einkommen oder beruflichen Erfolg.
Welche Erlaubnis braucht ein selbstständiger Finanzberater in Deutschland?
Die Antwort hängt am Leistungsumfang. Die Gewerbeordnung trennt mehrere Tätigkeiten. Bei den hier typischen Erlaubnissen werden unter anderem Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse, Berufshaftpflicht und Sachkunde geprüft. Details, Ausnahmen und Zuständigkeiten können sich nach Status und Bundesland unterscheiden; die folgende Tabelle ist daher ein Startpunkt, keine individuelle Rechtsberatung.
Vier häufige Erlaubnispfade
| Tätigkeit | Rechtsgrundlage | Was vorab geklärt werden muss |
|---|---|---|
| Versicherungen vermitteln oder beraten | Paragraf 34d GewO | Vertreter, Makler oder Versicherungsberater; Vergütungsmodell, Haftung, Sachkunde, Registrierung und Weiterbildung. |
| Bestimmte Finanzanlagen vermitteln | Paragraf 34f GewO | Welche Produktkategorien umfasst die Tätigkeit, welche Sachkunde und Haftpflicht sind erforderlich und wer beaufsichtigt? |
| Honorar-Finanzanlagenberatung | Paragraf 34h GewO | Ausschließliche Vergütung durch den Kunden und Abgrenzung zu wirtschaftlichen Vorteilen aus Vermittlung. |
| Immobiliardarlehen vermitteln | Paragraf 34i GewO | Verbraucherdarlehen mit Immobilienbezug, Sachkunde, Haftpflicht, Zuverlässigkeit und Registrierung. |
Unterlagen, die häufig früh benötigt werden
- Beschreibung der geplanten Tätigkeit und gegebenenfalls der Produktkategorien.
- Nachweis der Sachkunde oder eines anerkannten gleichgestellten Abschlusses.
- Nachweise zu Zuverlässigkeit und geordneten Vermögensverhältnissen.
- Bestätigung einer passenden Berufshaftpflichtversicherung.
- Gewerbeanmeldung, Registerangaben und organisatorische Unterlagen je nach Erlaubnisweg.
Deutschland, Österreich und Schweiz: Warum der Standort den Berufsweg verändert
DACH ist kein einheitlicher Erlaubnisraum. Selbst ähnliche Kundenleistungen können anders bezeichnet, beaufsichtigt und registriert werden. Prüfen Sie nicht nur den Wohnort, sondern auch Niederlassung, Zielmarkt, Kundensitz und grenzüberschreitende Ansprache. Wer online berät, ist nicht automatisch von lokalen Regeln befreit.
Der erste Behörden-Check nach Land
| Land | Ausgangspunkt | Vor dem Start klären |
|---|---|---|
| Deutschland | Konkrete Tätigkeit den Erlaubnispfaden der Gewerbeordnung oder einer weitergehenden Aufsicht zuordnen. | IHK oder zuständige Erlaubnisbehörde, Vermittlerregister, Haftpflicht, Sachkunde und mögliche BaFin-Relevanz. |
| Österreich | Die Gewerbliche Vermögensberatung ist ein reglementiertes Gewerbe; weitere Tätigkeiten können eigenen Regeln folgen. | Gewerbewortlaut, Befähigungsnachweis, Versicherungsvermittlung, WKO-Zuständigkeit und grenzüberschreitende Leistungen. |
| Schweiz | Tätigkeit und Arbeitgeber beziehungsweise Finanzdienstleister nach Finanzdienstleistungs- und Aufsichtsregeln einordnen. | FINMA-Bewilligung des Instituts, Beraterregisterpflicht oder Ausnahme, Ombudsstelle, Verhaltens- und Dokumentationspflichten. |
Holen Sie die Auskunft mit einer konkreten Leistungsbeschreibung ein. Die Frage „Darf ich Finanzberater sein?“ ist zu breit. Hilfreicher ist: „Ich möchte als Einzelunternehmen Privatkunden gegen Honorar zu diesen Anlagearten beraten, keine Gelder annehmen und Kunden in diesen Ländern ansprechen.“ Erst diese Präzision ermöglicht eine belastbare Einordnung.
Wann ein Praxisbuch für Finanzdienstleister sinnvoll sein kann
Ein Buch kann den Blick auf Berufsalltag, Kundenkommunikation und Organisation erweitern, wenn Ihr Tätigkeitsfeld bereits feststeht. Es ist besonders als Ergänzung interessant: Sie können eigene Fragen markieren, Prozesse mit der Praxisperspektive des Autors vergleichen und daraus Punkte für Gespräche mit Arbeitgeber, IHK oder Fachberatung ableiten. Ein Buch ersetzt jedoch keine Sachkundeprüfung, Erlaubnis, individuelle Rechtsprüfung oder beaufsichtigte Beratungspraxis.
Notieren Sie vor dem Klick drei Fragen, die das Buch beantworten soll, etwa zur Gesprächsstruktur, zur Positionierung oder zur laufenden Kundenbetreuung. Prüfen Sie auf der Anbieterseite Inhaltsverzeichnis, Ausgabe, Format, Lieferbedingungen und Rückgaberegeln. Fehlen diese Angaben oder passt der Inhalt nicht zu Ihrer Rolle, ist eine gezielte IHK-Information oder Fachliteratur zum konkreten Erlaubnispfad der sinnvollere nächste Schritt.
Angestellt oder selbstständig als Finanzberater arbeiten?
Für viele Quereinsteiger ist eine angestellte oder klar beaufsichtigte Einstiegsrolle der bessere Praxistest. Prozesse, Schulung und Fallbesprechung sind eher vorhanden, gleichzeitig müssen Zielvorgaben und Produktbindung kritisch verstanden werden. Die Selbstständigkeit bietet mehr Gestaltungsraum, macht Sie aber für Erlaubnis, Organisation, Haftung, Liquidität und Kundengewinnung verantwortlich.
Entscheidung nach Verantwortung statt Statussymbol
| Kriterium | Angestellt | Selbstständig |
|---|---|---|
| Qualifikation | Arbeitgeber definiert Rolle, Einarbeitung und interne Anforderungen; persönliche Pflichten bleiben relevant. | Erlaubnis- und Sachkundeweg muss zum eigenen Leistungsumfang passen. |
| Produktauswahl | Kann durch Institut, Vertrieb oder Kooperationspartner begrenzt sein. | Hängt von Erlaubnis, Marktmodell und selbst gewählten Partnern ab. |
| Einkommen | Fixum, variable Ziele oder Kombination; Zielkonflikte prüfen. | Unregelmäßige Erlöse treffen auf Fixkosten, Stornohaftung und unbezahlte Verwaltungszeit. |
| Organisation | Systeme, Datenschutz und Beschwerdewege werden meist zentral bereitgestellt. | Eigene Prozesse, Dienstleister, Vertretung, Aufbewahrung und Kontrollen sind erforderlich. |
| Lernrisiko | Schlechte Vertriebsanreize können trotz Struktur problematisch sein. | Fehlende Aufsicht kann Beratungs- und Haftungsfehler verstärken. |
Rechnen Sie für eine Selbstständigkeit nicht vom erhofften Umsatz rückwärts. Erfassen Sie zunächst Versicherung, Weiterbildung, Software, Datenschutz, Buchhaltung, Kammer oder Register, Marketing, Stornoreserve und mehrere Monate private Liquidität. Teilen Sie dann die verbleibende Zeit in Beratung, Vor- und Nachbereitung, Verwaltung und Akquise. So erkennen Sie, wie viele Fälle verantwortbar bearbeitet werden können, ohne mit unrealistischem Abschlussdruck zu planen.
Ein Beratungstest vor dem ersten eigenen Kunden
Fachbegriffe zu kennen reicht nicht. Testen Sie einen vollständigen Musterfall unter fachkundiger Aufsicht. Verwenden Sie eine erfundene Person mit Einkommen, Verpflichtungen, Reserve, Ziel, Zeithorizont und Verlustgrenze. Der Test endet nicht bei einer Produktauswahl, sondern erst bei verständlicher Begründung, Kostentransparenz, Dokumentation und einem klaren nächsten Prüftermin.
Sieben Stationen eines verantwortbaren Musterfalls
- Auftrag und Beratungsgrenze in einfachen Worten erklären.
- Ziele, Haushaltslage, bestehende Verträge und finanzielle Reserve vollständig erfassen.
- Erfahrung, Kenntnisse, Verlusttragfähigkeit und Zeithorizont getrennt dokumentieren.
- Mehrere Handlungsoptionen einschließlich Nicht-Handeln oder Schuldenabbau prüfen.
- Kosten, Risiken, Vergütung und Interessenkonflikte konkret erklären.
- Empfehlung und Ablehnungsgründe so dokumentieren, dass ein Dritter sie nachvollziehen kann.
- Nachbetreuung, Änderungen und Beschwerdeweg terminieren.
Bitten Sie den Prüfer nicht nur um eine Note. Lassen Sie markieren, wo eine Annahme unbelegt war, ein Risiko verharmlost wurde oder die Dokumentation den gesprochenen Inhalt nicht trägt. Wiederholen Sie den Fall mit einer veränderten Lebenslage. Erst wenn sich Ihre Empfehlung nachvollziehbar ändert, testen Sie wirklich Beratung statt ein auswendig gelerntes Verkaufsskript.
4-Wochen-Plan für angehende Finanzberater
Vom Berufswunsch zur belastbaren Entscheidung
| Woche | Aufgabe | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1: Rolle | Drei Stellenprofile lesen, zwei Gespräche mit Praktikern führen und die eigene Wunschrolle samt Nicht-Leistungen beschreiben. | Ein Tätigkeitsprofil statt der allgemeinen Bezeichnung Finanzberater. |
| 2: Regeln | Zuständige IHK oder Behörde, Register und offizielle Rechtsgrundlagen für das Profil prüfen. | Liste aus Erlaubnis, Sachkunde, Haftpflicht und offenen Fragen. |
| 3: Lernen | Ausbildung, Studium, Arbeitgeberprogramm und Sachkundekurs nach Anerkennung, Praxisanteil und Gesamtkosten vergleichen. | Ein bestätigter Lernweg mit Zeitplan und Abbruchkriterien. |
| 4: Praxis | Musterfall unter Aufsicht bearbeiten und angestellte mit selbstständiger Variante wirtschaftlich vergleichen. | Entscheidung für Bewerbung, Hospitation, Qualifikation oder gegen den aktuellen Berufsstart. |
Stoppen und neu prüfen sollten Sie, wenn
- ein Anbieter Einkommen, Kunden oder Erlaubnis allein durch einen Kurs verspricht.
- die Tätigkeit absichtlich vage bleibt, obwohl Produkte empfohlen oder Verträge vermittelt werden sollen.
- Vergütung, Stornohaftung oder laufende Kosten erst nach Vertragsunterschrift erklärt werden.
- Sie überwiegend Freunde und Familie als erste Abschlussliste ansprechen sollen.
- Risiken, Alternativen und Nicht-Abschluss als Hindernis statt als Teil guter Beratung behandelt werden.
Fazit: Erst die Tätigkeit definieren, dann Finanzberater werden
Finanzberater werden ist kein einzelner Ausbildungsweg, sondern eine Folge klarer Entscheidungen. Definieren Sie Tätigkeit und Vergütung, wählen Sie angestellten oder selbstständigen Rahmen, lassen Sie Erlaubnis und Sachkunde bestätigen und testen Sie einen vollständigen Beratungsfall. So investieren Sie erst dann in Weiterbildung und Geschäftsaufbau, wenn deren Nutzen für Ihre konkrete Rolle erkennbar ist.
Ein Praxisbuch kann dabei zusätzliche Fragen und Perspektiven liefern. Die belastbare Grundlage bleibt jedoch die Kombination aus offizieller Auskunft, passender Qualifikation, beaufsichtigter Praxis und einem Prozess, der Kundenziel, Kosten, Risiko und Interessenkonflikte verständlich macht. Genau daran sollte sich der Berufsstart messen lassen.
Haeufige Fragen
Welche Ausbildung braucht man, um Finanzberater zu werden?
Es gibt nicht für jede Finanzberater-Rolle dieselbe Pflichtausbildung. Ausbildung, Studium oder Quereinstieg können passen. Entscheidend sind die konkrete Tätigkeit, mögliche gesetzliche Sachkunde, Arbeitgeberanforderungen und praktische Beratungskompetenz. Lassen Sie vor Kursbeginn bestätigen, ob ein Abschluss für Ihren geplanten Erlaubnispfad anerkannt wird.
Kann man als Quereinsteiger Finanzberater werden?
Ja, ein Quereinstieg ist grundsätzlich möglich, aber nicht ohne gezielte Qualifikation. Definieren Sie zuerst die Rolle, prüfen Sie erforderliche Sachkunde und suchen Sie eine beaufsichtigte Einstiegsphase. Branchen- oder Vertriebserfahrung ersetzt weder Regulierungswissen noch die Fähigkeit, Risiken und Kosten kundengerecht zu dokumentieren.
Ist die Berufsbezeichnung Finanzberater geschützt?
Die allgemeine Bezeichnung allein beantwortet die Erlaubnisfrage nicht. Entscheidend ist, welche Beratung, Vermittlung oder sonstige Finanzdienstleistung tatsächlich erbracht wird. Verwenden Sie keine Bezeichnung, die Qualifikation, Unabhängigkeit oder Aufsicht irreführend darstellt, und lassen Sie das konkrete Tätigkeitsmodell fachkundig prüfen.
Welche IHK-Erlaubnis braucht ein Finanzberater?
Das hängt vom Leistungsumfang ab. In Deutschland sind unter anderem Paragraf 34d GewO für Versicherungen, 34f für bestimmte Finanzanlagen, 34h für Honorar-Finanzanlagenberatung und 34i für Immobiliardarlehen relevant. Auch andere Aufsichtsregeln können greifen. Zuständigkeit und Ausnahmen sollten Sie mit der zuständigen Stelle klären.
Kann man ohne Studium selbstständiger Finanzberater werden?
Ein Studium ist nicht für jede Rolle zwingend. Ohne passende Sachkunde, mögliche Erlaubnis, Haftpflicht, Registrierung und Organisation dürfen erlaubnispflichtige Tätigkeiten aber nicht einfach aufgenommen werden. Prüfen Sie anerkannte Ausbildungs- und Prüfungswege für das eng definierte Angebot.
Was kostet der Start als selbstständiger Finanzberater?
Eine seriöse Pauschalsumme gibt es nicht. Rechnen Sie Erlaubnis und Register, Sachkunde, Berufshaftpflicht, Weiterbildung, Software, Datenschutz, Buchhaltung, Marketing, mögliche Stornoreserve und private Liquidität getrennt. Holen Sie aktuelle Angebote ein und planen Sie mehrere Monate ohne stabile Erlöse.
Was ist für Finanzberater in Österreich und der Schweiz anders?
Berufs- und Aufsichtsmodelle unterscheiden sich. In Österreich ist etwa die Gewerbliche Vermögensberatung ein reglementiertes Gewerbe. In der Schweiz hängen Bewilligung, Beraterregister und weitere Pflichten von Tätigkeit und Finanzdienstleister ab. Prüfen Sie Standort, Kundensitz und grenzüberschreitende Leistungen bei den zuständigen Stellen.
Quellen und weiterfuehrende Links
- Gesetze im Internet: Paragraf 34d GewO zu Versicherungsvermittlern und Versicherungsberatern
- Gesetze im Internet: Paragraf 34f GewO zu Finanzanlagenvermittlern
- Gesetze im Internet: Paragraf 34h GewO zur Honorar-Finanzanlagenberatung
- Gesetze im Internet: Paragraf 34i GewO zu Immobiliardarlehensvermittlern
- Deutsches Vermittlerregister: Öffentliche Registerauskunft
- Wirtschaftskammer Österreich: Gewerbliche Vermögensberatung
- Fedlex Schweiz: Finanzdienstleistungsgesetz